Siebziger und Achtziger
In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre hatte die Jugendgruppe schon eine beachtliche Größe erreicht und in diese Zeit fallen auch die ersten Erfolge, so holte 1976 J. Hertel auf dem Opti O898 den ersten Platz bei der Bezirks- Kinder- und Jugendspartakiade in der Klasse B und wurde im folgenden Jahr Zweiter bei den Bezirksmeisterschaften.
Mit dem Bau der 2 Holzcadets C308 und C309 konnten die Erfolge auch im Cadetbereich wiederholt werden. 1981 belegten J. Hertel/ O. Winkelmann auf C309 bei der Ostseeregatta in Rerik den 3. Platz und bei der DDR-Meisterschaft im gleichen Jahr den 4. Platz.
Zu Beginn der Achtziger wurde alles auf ein höheres Niveau gestellt. Mit Hilfe des Walzwerkes und staatlicher Förderung konnten wir die Flotte um eine Reihe modernerer Optis und Cadets erweitern. Dazu kamen unsere zwei neuen Motorboote und eine Reihe fleißiger Trainer. Es gab drei Trainingsgruppen. Die Optis und Cadets trainierten an zwei Tagen je Woche und die Opti Anfänger einmal je Woche.
Durch eine gute Werbung wuchs die Jugendgruppe auf ca. 30 Segler, und zum Training waren immer mindestens 5 Cadets und 5 Optis auf dem Wasser. Seit dieser Zeit führten wir auch selbst zwei Trainingslager durch. Das erste fand immer in den noch sehr kalten Frühjahrsferien im Mai statt, das zweite am Ende der Sommerferien Ende August.
Das Training, aber auch das Wettkampfsegeln, waren damals gut durchorganisiert. Und unser Segeljahr bestand aus einer Vielzahl von Veranstaltungen, die jedes Jahr wieder besucht wurden. Nach dem intensiven Wintertraining war im Frühjahr der erste Wettkampf der Athletik-Test, der vor allem dazu diente, die allgemeine Fitneß der Sportler zu testen. Hier kam es für viele nicht unbedingt darauf an, erster zu werden, sondern überhaupt zu bestehen.
Die erste Regatta des Jahres war dann traditionell die Flakensee-Regatta bei Chemie Erkner. Der Flakensee ist ein besonderes Revier. Denn bei manchen Windrichtungen kam es vor, daß die Boje 1 von der Startlinie nicht zu erkennen war, da sie sich hinter der Ecke befand. Dazu kam, daß der Wind sehr gerne und auch sehr weit drehte. Und dadurch ab und zu die Extremsegler belohnt wurden, da sie einfach Glück hatten. Die Krönung war, wenn auch noch ein Schubverband von der Schleuse Woltersdorf kommend z.B. 3 min vor dem Start mitten durch die Startlinie fuhr. Dann war das Chaos vorprogrammiert.
Eine weitere Besonderheit war das Gelände des Vereins. Auf dem Weg zum Wasser mußten die Boote immer erst die Treppen hinab getragen werden. Und wenn wir wieder mal spät am Freitag abend kamen, waren die guten Plätze besetzt, unsere Boote standen oben und wir mußten sie jeden Tag tragen.
Nach dem Flakensee war immer unser Trainingslager auf dem Werbellinsee. Wetter und auch Wasser waren noch etwas kühl und so hielten sich alle etwas zurück und riskierten wenig. Aber durch dieses frühe Trainingslager waren wir immer gut gerüstet für die weiteren Regatten.
Die nächsten Reviere waren der Scharmützelsee und der Helenesee, ehe es bei uns zu Hause die Kreis-, Kinder- und Jugendspartakiade gab.
Da unser Kreis eigentlich nur aus den Vereinen des Sees bestand, kamen ab und zu auch Segler vom Wandlitzsee dazu, und so waren die Felder nicht ganz so klein.
Bald nach den Kreisspartakiaden kamen die Bezirksmeisterschaft bzw. die Bezirksspartakiade im zweijährigen Wechsel. Und hier wechselten auch die Reviere, so daß wir im Laufe der Jahre fast alle Reviere östlich von Berlin besucht hatten.
In den Sommerferien folgten dann die großen Regatten, wie z.B. die Ostseeregatta oder die DDR-Meisterschaften. Diese Regatten wurden nur noch von den besten Teams besucht. Austragungsorte für die DDR-Meisterschaften waren z.B. die Müritz, der Müggelsee und der Muldestausee bei Bitterfeld.
Mit der DDR-Meisterschaft an der Mulde, die 1984 stattfand, verbinden sich bei mir besondere Erinnerungen. Nicht, weil die Ergebnisse so gut waren, sondern wegen einiger interessanter Ereignisse. Es begann mit der Hinfahrt, wo uns auf dem Berliner Ring plötzlich ein Rad überholte und uns bewußt wurde, daß eine Achse unseres Trailers gebrochen war. Dadurch saßen wir plötzlich fest.
Es herrschte kurze Ratlosigkeit, aber zum Glück waren unsere Fahrer sehr einfallsreich und machten sich gleich daran, für Ersatz zu sorgen.
Der kam dann aber völlig unverhofft und viel schneller als erwartet. Denn plötzlich hielt ein LKW vom SCBG Grünau neben uns, die beiden Cadets wurden auf die noch freien Plätze auf dem Hänger verladen, wir wurden kurz darauf in den Bus des SCBG verfrachtet und so konnte die Fahrt unkompliziert weitergehen.
Der Muldestausee war dann ein eher unspektakuläres Revier. Am Rande eines Braunkohlereviers gelegen, bot er kaum landschaftliche Reize. Die Ufer waren kahl und glatt und das Wasser so schmutzig, daß die ersten Segler schon nach der Hälfte der Zeit wegen Hautproblemen behandelt werden mußten...
Nach den großen Regatten ging es in der Heimat weiter. Am Ende der Sommerferien wurde unser großes Trainingslager durchgeführt und die Sportler noch einmal auf die abschließenden Regatten des Jahres vorbereitet.
Als letzte Regatta stand immer die Regatta am Storkower See auf dem Programm. Der Termin lag immer um den Tag der Republik herum, und es war schon sehr kalt. Das besondere an der Regatta war, daß es entweder sehr viel Wind oder gar keinen Wind gab - und meist einige Wettfahrten deswegen abgesagt werden mußten. In einem der Jahre wurde auch den halben Vormittag der Start verschoben, da so dichter Nebel herrschte, daß wir kaum 50m weit sehen konnten.
Die Unterbringung bei den Regatten war meist sehr unkompliziert gelöst. So schliefen wir manchmal in Turnhallen, dann in Ferienlagern. Oder zelteten am Seeufer. Und es war bei einigen Seglern gut zu merken, daß vor allem das Nachher entscheidend war, ob die Regatta gut war, statt einer guten Plazierung.
Das intensive Training und die vielen besuchten Regatten gepaart mit dem guten Material und dem Einsatz einzelner Eltern führte dann auch zu einer Reihe von Erfolgen auf DDR-Ebene. So konnten im Jahr 1983 V. Knöfler/H. Reinhardt bei der Ostseewoche in Wismar auf dem Cadet C873 in der Gruppe B einen dritten Platz erringen. Im selben Jahr wurden sie bei der DDR-Kinder- und Jugendspartakiade in Berlin Vierte. Zwei Jahre später konnten sie den Erfolg in der Gruppe A wiederholen. Bei der Ostseewoche in Rerik wurden sie 5. der Gesamtwertung und damit zweitbestes DDR-Boot.
Das alles wurde aber auch durch die Hilfe des Walzwerkes ermöglicht. Es half uns nicht nur bei der Beschaffung von Material, sondern auch beim Besuch von Auswärtsregatten. Für den Transport der Kinder stellte es uns einen W50 mit Anhänger und einen liebenswürdigen Fahrer, dazu noch einen Barkas, manchmal auch einen Robur-Bus zur Verfügung.
Und für die Segler war es eine sehr schöne Zeit, als sie in solch großen Gruppen von teilweise über 20 Kindern und Jugendlichen an Regatten teilnehmen durften.
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